Autoren-Nähkästchen

Das Vorstellungsgespräch

Ich bereue keineswegs meine Entscheidung, den Weg des Schriftstellers eingeschlagen zu haben und doch gönne ich mir gelegentlich den Spaß, man könnte es auch Recherche nennen, mich auf Stellenangebote zu bewerben. Dabei habe ich mich für unterschiedliche Branchen und Tätigkeiten beworben. Alle Einladungen erfolgten meinen wahren beruflichen Erfahrungen.

Dieser Tortur unterziehe ich mich regelmäßig aus drei Gründen:
– Ich war früher bei der Agentur für Arbeit tätig und habe mich schon damals gefragt, warum die Arbeitgeber der angebotenen freien Stellen nicht genauer begutachtet werden

– Ich möchte die Menschen treffen, die unzählige Qualifikationen von ihren zukünftigen Angestellten voraussetzen, dabei aber lediglich bereit sind, den Mindestlohn zu zahlen, während sie sich selbst die Taschen mit einem angemessenen Gehalt vollstopfen

– Ich tatsächlich Material für ein Projekt sammle

Mein Ergebnis in der Kurzfassung:
Familie oder geplante Familie stellen ein Manko für viele Arbeitgeber dar. Sie wünschen sich räumliche und zeitliche Flexibilität bei voller Arbeitsleistung und darüber hinaus. Die Aussage Sie müssen bereit sein über die geplante Arbeitszeit Mehrarbeit zu leisten zählt mittlerweile zu den Standards. In meiner Naivität dachte ich, an Überstunden. Weit gefehlt! Die große Mehrheit meinte damit Schwarzarbeit. Häufig am Wochenende oder sogar Feiertags – ohne Aufschläge versteht sich.

Erschreckenderweise ist die Staatsangehörigkeit bei drei Arbeitgebern so wichtig gewesen, dass sie explizit noch einmal danach gefragt haben, obwohl dies aus meinem Lebenslauf hervorgeht. Sie sind deutsch? Das ist nicht entscheidend, aber Sie sind deutsch, oder?

Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich auf keinen der angebotenen Jobs angewiesen bin. Aber welche Wahl haben andere? Ich traf eine Bewerberin. Sie berichtete mir von den gleichen Fragen in der gleichen Reihenfolge. Da bin ich Schlimmeres gewohnt. Zum Beispiel, wie es um meine Gesundheit und die meines Mannes steht und ob mit einem Pflegefall in nächster Zeit zu rechnen wäre. Bevor ich gar keine Arbeit habe, fange ich auch hier an.

Nach meinen Erfahrungen würde ich mir einen Arbeitgeber-TÜV wünschen. Das wäre nur fair. Schließlich werden Arbeitnehmer auch auf Herz und Nieren untersucht!

***Dieser Beitrag basiert auf keiner Studie und wurde von mir frei nachempfunden***

 

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert