Der Marcel Proust-Fragebogen

Meine Beiträge zum Liebster Award kamen sehr gut an. Darum bat mich ein Leser um das Ausfüllen vom Marcel Proust-Fragebogen, um noch mehr über mich in Erfahrung zu bringen. „Es ist die Neugier, die uns nach vorne treibt.“ Also, warum nicht?

Vorab für alle, denen der Name unbekannt ist: Marcel Proust war ein französischer Schriftsteller, der diesen Fragebogen als beliebtes Spiel für die Pariser Oberschicht erfunden hat. Die Fragen galten als Herausforderung für Geist und Witz. Monsieur Proust selbst hat sich zweimal dem Spaß hingegeben.

Ich lege Wert auf Spontanität und beantworte die Fragen aus dem Bauch heraus. Ich hoffe, das ist im Sinne aller.

Wo möchten Sie leben?

Ich bin ein Regentyp. Mich zieht es ins Vereinigte Königreich. England, Irland, Schottland – die ganze Ecke im Norden eben. Da ich mich gern in der Natur aufhalte, wäre die Landschaft für mich sehr reizvoll.

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?

Von dem Menschen geliebt zu werden, den man selber liebt.

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?

Fehler bei anderen? Da habe ich so meine Schwierigkeiten…

Was ist für Sie das größte Unglück?

Etwas Geliebtes zu verlieren.

Ihre liebsten Romanhelden?

Amy Dorrit.

Ihre Lieblingsgestalt in der Geschichte?

Heinrich VIII.

Ihre Lieblingsheldinnen/-helden in der Wirklichkeit?

Jeder, der mit meinen Marotten klarkommt.

Ihr Lieblingsmaler?

Je nach Stimmung: Salvador Dali, Gustav Klimt, Claude Monet.

Ihr Lieblingsautor?

Nein, da gibt es keinen.

Ihr Lieblingskomponist?

Antonio Vivaldi, Wolfgang Amadeus Mozart.

Welche Eigenschaften schätzen sie bei einer Frau am meisten?

Humor, Toleranz, Stärke.

Welche Eigenschaft schätzen sie bei einem Mann am meisten?

Empathie, Humor, Eigensinn.

Ihre Lieblingstugend?

Gerechtigkeit.

Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Lesen, Essen, Schlafen.

Wer oder was hätten Sie gern sein mögen?

Astronaut.

Ihr Hauptcharakterzug?

Geradlinigkeit.

Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten?

Humor, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit.

Ihr größter Fehler?

Ich bin ein Klugscheißer.

Ihr Traum vom Glück?

Zufriedenheit erkennen.

Was wäre für Sie das größte Glück?

Ich bin glücklich. Gibt es eine Steigerung von Glück?

Was wäre für Sie das größte Unglück?

Einsamkeit.

Was möchten Sie sein?

Ich finde mich jetzt ganz ok.

Ihre Lieblingsfarbe?

Grün.

Ihre Lieblingsblume?

Lilien.

Ihr Lieblingsvogel?

Eine Mischung aus Lachmöwe (ihre Töne), Schneeeule (ihre Weisheit) und Rabe (seine Intelligenz).

Ihr Lieblingsschriftsteller?

Englische Schriftsteller haben es mir angetan, aber festlegen möchte ich mich nicht.

Ihr Lieblingslyriker?

Hermann Hesse.

Ihre Helden der Wirklichkeit?

Abraham Lincoln.

Ihre Heldinnen der Geschichte?

Anne Frank.

Ihre Lieblingsnamen?

Desdemona, Thaddeus.

Was verabscheuen Sie am meisten?

Gier, Trunkenheit, Abhängigkeit.

Welche geschichtlichen Gestalten verabscheuen Sie am meisten?

Josef Mengele.

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?

Tarnung.

Wie möchten Sie gern sterben?

Am besten bei einem Abenteuer, zu dem ich mich selbst motivieren musste.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Wer weiß das schon so genau?

Ihr Motto?

Tue, was dir Angst bereitet und die Furcht stirbt einen sicheren Tod.

Die Bücher-Hommage

In meinem Arbeitszimmer nehmen Regale, vollgestopft mit Büchern, den meisten Platz weg. So realisieren es scheinbar meine Besucher. »Warum behältst du die? Verkauf die ganzen Wälzer. Das schafft Raum für Neues und bringt Geld«, bekomme ich oft zu hören. Ich reagiere mit vehementen Kopfschütteln.

All diese Werke lagern nicht in meinen Schränken, um damit anzugeben oder weil sie sich gut als Deko eignen.

ICH LIEBE MEINE BÜCHER!

Sie gehören zu meinem Leben.

Ein Großteil von ihnen wurde durch zahlreiche Hände gereicht. Diese Schatzkammern aus Papier bewahren Erinnerungen an Personen, die diese Kunstwerke gekauft, verschenkt, gelesen oder gesammelt haben.

Es sind keine Einwegprodukte – eher Haustiere, die zu Hause einziehen, denen du verfällst und um die du dich kümmerst.

Sie benötigen Pflege, verströmen ihre eigenen Gerüche, erzeugen schleierhafte Faszination.

Sie öffnen dir ein Portal in neue Welten.

Damit meine ich nicht, das Genre, das ein Leser bevorzugt.

Ein Beispiel aus dem Leben:

In einem überfüllten Wartezimmer, beschallt von Gesprächen und Musik, entdecke ich eine Frau, die Das Lavendelzimmer in den Händen hält.

Sie liest diese wundervolle Liebesgeschichte in einem Wartezimmer zwischen Radio-Gedudel und Patientengequatsche?

»Bitte suchen Sie sich einen ruhigen Ort, um diese Geschichte im vollen Umfang zu genießen. Einen Ort, an dem Sie sich voll und ganz entspannen können. Wo Sie sich geborgen fühlen«, lag mir auf der Zunge. Aber ich wurde aufgerufen.

Höchstwahrscheinlich hätte mich die Frau für verrückt erklärt. Doch darum geht es nicht.

Es geht um die Klärung, was es über die Frau aussagt, dass sie bei der enormen Geräuschkulisse in diesem brillanten Buch blättert? Was ist das für ein Typ Frau? Zielorientiert? Einfühlsam? Methodisch? Mitfühlend? Registriert sie ihr Umfeld überhaupt? Lenkt das Buch sie von dem anstehenden Arztbesuch ab?

Die Antwort bleibt mir verborgen und das zu Recht. Literatur bietet jedem Charakter einen individuellen Zugang. Ein Hoch auf die Bücher!