E wie Eidam

 

 

 

 

 

idam bezeichnete zur damaligen Zeit den Mann, der in die Familie eingeheiratet und damit das Recht auf das Erbe der Tochter erworben hat. Kurz gesagt: Schwiegersohn hat das Wort Eidam ersetzt. Wenn ich ehrlich bin, klingt für mich Schwiegersohn doch netter. Eidam führt bei mir zu verwirrenden Gedankenspielen …

 

Geheimakte Schriftsteller

Ich gestehe. Bislang habe ich der Familie und dem Freundeskreis meine Tätigkeit als Schriftsteller geheimgehalten. Dafür gibt es gute Gründe.

Die Bekanntmachung, einen kreativen Beruf auszuüben, birgt vielerlei Gefahren. Hören Sie sich um. Fragen Sie Musiker, Maler, Designer oder eben Autoren – alle können ein Lied davon singen! Die Menschen reagieren auf zwei Arten:

1.Reaktion: Die Frage zur Begrüßung: „Wie geht’s dir?“ wird abgelöst von: „Was macht dein Buch?“ „Wann steht es auf der Bestsellerliste?“ „Wann kommt dein nächstes Buch auf den Markt?“

Natürlich kann ich es verstehen. Diese Berufe umgibt etwas Geheimnisvolles. Nur wenigen Personen scheint sich diese Job-Tür zu öffnen – man möchte mehr darüber erfahren. Meist mit dem Hintergedanken selbst über einen Einstieg in einen Künstlerberuf nachzudenken. Doch fehlender Mut und vor allem ein unregelmäßiges Einkommen setzen dem Traum schnell ein Ende.

2.Reaktion: Sobald das Wort „Autor“ als Berufsbezeichnung genannt ist, wird man von den Mitmenschen mit Argwohn und Zurückhaltung beäugt. „Das bleibt doch unter uns, oder?“ „Das erzähle ich Ihnen im Vertrauen.“ „Verwenden Sie das auf keinen Fall für Ihr nächstes Buch!“

Woher ich das weiß? Ich habe es ausprobiert. Am lebenden Objekt.

Friseur, Arzt, Nachbar – alle zeigen die gleichen Symptome. Das schreckt mich ab, doch zum „richtigen“ Zeitpunkt werde ich mich dazu bekennen: „Ich bin Schriftsteller und das ist gut so!“