Der Nebeltanz

Alles scheint wie im Traum
Nichts hat Struktur, alles verschmilzt
Sanft und still schaut die Welt zu

Ein Käfig aus Nebelschwaden
Die Geräusche in Watte verhüllt
Nur die Krähen singen ihr raues Lied

Ruhe breitet sich im Körper aus
Umschlingt von einem Mantel aus angenehmer Kühle
Der Blick aufs Grau beschränkt

Jeder Schritt näher der Freiheit

 

Meine Post Its

An meiner Wand hängen so einige Post Its. Genau auf Augenhöhe und so ausgerichtet, dass ich sie jeden Tag sehen muss, wenn ich am Schreibtisch sitze. Sie sollen mich an ein paar grundsätzliche Sachen erinnern, die ich beim Schreiben beachten möchte. Und wenn sie mir helfen, dann doch sicher auch anderen Autoren.

 

 

 

Ruheort

Sonne, weißes Federband in diesigem Blau durch Windböen zerpflückt.

Ein Schönheitsmal auf der Erde – die Insel, auf der Mensch und Natur beisammenleben.

Einatmen, Ausatmen.

Fauna, Flora, Homo sapiens- jeder genießt auf seine Art den Ort der Besinnung.

Automatisch – ohne sein Bewusstsein zu bemühen.

Einatmen, Ausatmen.

Jeder, wie er ist. Jeder, wie er kann.

Einfach sein.

Sieben Tage in Schwarz & Weiß

Heute lasse ich Bilder sprechen. Sieben Tage zeigen sieben Momente meines Lebens in Schwarz-Weiß. Keine Menschen, keine Erklärungen. Einfach nur sehen.

Tag 1

Tag 2

Tag 3

Tag 4

Tag 5

Tag 6

Tag 7

 

NaNoWriMo – Update

Hier meine erste Bilanz zu meinem persönlichen NaNoWriMo: Wie im vorherigen Beitrag zu lesen, setze ich meinen Schwerpunkt in diesem Jahr nicht auf die täglich zuerreichende Wortzahl, sondern auf die regelmäßigen Schreibeinheiten Tag für Tag. Ich muss gestehen, dass es mir gerade zu Beginn schwerfiel, ohne meine geliebte Muse einfach loszuschreiben. Doch mit der Zeit spielt sich eine gewisse Routine ein. Jeden Abend vor dem Essen schnappe ich mir meinen Laptop und tippe eine komplette Seite. Das mag für manche Autoren lächerlich klingen, hilft mir aber dabei am Ball zu bleiben. Des Weiteren lege ich großen Wert darauf, dass die geschriebene Seite im nachhinein, möglichst wenig Überarbeitungszeit in Anspruch nimmt. Bei mir steht die Qualität vor der Quantität bei diesem Wettbewerb im Vordergrund. Bisher fahre ich damit gut. Bitte Daumen drücken, für ein Anhalten dieses Zustandes.

 

Mein persönlicher NaNoWriMo

Der National Novel Writing Month findet seit dem Jahr 1999 statt. Es handelt sich hierbei um ein Schreibprojekt, an dem weltweit Autoren teilnehmen. Das Ziel liegt darin, in den 30 Tagen des Novembers einen Roman mit 50.000 Wörtern zu schreiben. Ob dabei die Qualität des Textes unter der Quantität leidet, ist umstritten. Es ist unwahrscheinlich, dass am Ende des Monats eine verlagsfertige Story steht. Darum geht es auch nicht. Viel mehr liegt der Sinn in diesem Wettbewerb darin, seine innere Stimme (den inneren Lektor) zu überlisten und täglich dem Schreib-Schweinehund den Kampf anzusagen. Genau das kann ich momentan sehr gut gebrauchen, da ich zwei kleinere Projekte zum Oktober abgeschlossen habe und nun drohe, in ein ″Erholungsloch″ zu fallen. Da ich die Anmeldung verpasst habe, nehme ich inoffiziell (also nur für mich) daran teil. Mir kommt es dabei nicht auf die vorgegebene Wortanzahl an, die es täglich zu erreichen gilt, sondern dass ich am Ball bleibe und keinen ″Schreib-Hänger″ erleide. Für meinen persönlichen NaNoWriMo habe ich keinerlei Recherche betrieben und natürlich auch nichts vorbereitet. Bis zum 01.11.2017 wusste ich nicht mal, was für eine Geschichte auf mich wartet. Das macht die ganze Aktion so spannend und vor allem geht es nur um eins: Den Spaß am Schreiben zu erhalten!

Freiheit

Als Autor obliegt mir die Verantwortung, die Rahmenbedingungen meiner Arbeit eigenständig festzulegen.

Ich entscheide ohne Absprachen:
– Wie viel?
– Wo?
– Wann?
– Woran?
– Wie?

Das ist auf der einen Seite sehr angenehm, auf der anderen nervig. Es heißt nicht grundlos Die Qual der Wahl. Mit Freiheit muss man eben umgehen können.

Hier eine kleine Auswahl an Fragen, die mich immer mal wieder plagen:

Soll ich mitten in der Nacht aufstehen, um eine Idee aufzuschreiben oder im warmen Bett liegen bleiben?
+ Über Nacht könnte ich meine Einfälle vergessen
+ Auch mein Körper benötigt Ruhephasen

Soll ich Schreiben, um voranzukommen, oder Zeit mit der Familie verbringen?
+ Ich will mein Ziel im Blick behalten
+ Meine Familie braucht mich und ich brauche ihre Unterstützung

Beende ich erst meine Überarbeitung oder widme ich mich einem neuen Projekt?
+ Ich könnte in Vergessenheit geraten, wenn ich nicht schnell genug ″Nachschub″ liefere
+ Ohne die Vollendung meiner Überarbeitung brauche ich keinen ″Nachschub″

Soll ich dem Tagesgeschehen in den Zeitungen folgen oder Bücher lesen?
+ Das Lesen von Büchern unterstützt meine Schreib-Entwicklung
+ Zu wissen, was in der Welt passiert ist mir wichtig

Ist es sinnvoll, völlig übermüdet weiterzuarbeiten, um mein Gewissen zu beruhigen, oder lieber Abschalten und schlafen legen?
+ Was ich heute abhaken kann, quält mich morgen nicht mehr
+ Überarbeitet unterlaufen mir Fehler

Soll ich einen Termin wahrnehmen oder die Zeit ins Schreiben investieren?
+ Termine können sehr zeitintensiv sein, wenn man die Vorbereitung, die An-und Abfahrtszeiten und die Warterei hinzurechnet
+ Man weiß nie, welche Fortschritte der potenzielle Termin mit sich zieht

Veröffentliche ich als Selfpublisher oder begebe ich mich weiter auf Verlagssuche?
+ Weiteres Umwerben der Verlage kostet wertvolle Zeit
+ Als Selfpublisher benötige ich mindestens ebenso viel Zeit, um die Werbetrommel für mein Werk in Schwung zu bringen

Nutze ich die Zeit zum Korrigieren oder um Social Media zu betreiben?
+ Marketing und Kontakte sind essenziell
+ Ohne Korrektur erreiche ich nie meine Veröffentlichung

Muss ich mich für ein Interessengebiet entscheiden oder soll ich weiterhin mehrere verfolgen?
+ Aus Zeitgründen wäre es besser sich auf ein Thema zu konzentrieren
+ Ich bin wissbegierig und lerne nie aus, da ist es nicht mit einem Thema getan

Halte ich mich an das Motto: Tippen bis zum Umfallen oder gönne ich mir Unterbrechungen(z.B. Sport treiben, frische Luft tanken, Freunde treffen)?
+ Freizeitaktivitäten nehmen eine Menge Zeit in Anspruch
+ Ohne Auszeiten fehlt mir die Inspiration

Soll ich im Urlaub arbeiten?
+ Ich nutze jede Gelegenheit, um mein Ziel zu erreichen
+ Ich profitiere durch das Auffüllen meiner Energiereserven

Ja, das Autorenleben beinhaltet Problematiken, die es zu meistern gilt. Würde ich tauschen wollen? Auf gar keinen Fall! Ich lebe für das Schreiben.
Es bedeutet für mich Freiheit – keine Vorgaben, kein Hamsterrad, keine Vorgesetzten. Nur ich, 26 Buchstaben zur freien Verfügung und meine Kreativität. Wen stören da ein paar Fragen?

 

Wegweiser

Ich sitze im Auto und warte. Bis zu meinem Termin bleibt mir noch eine halbe Stunde. Draußen herrschen angenehme dreiundzwanzig Grad. Von meinem Platz aus, beobachte ich fünf ältere Menschen. Sie sitzen sonnengeschützt vor ihrem Altenheim unter einem verwitterten Vordach. Keiner von ihnen spricht – Sie vegetieren einfach vor sich hin.

Zwei Seniorinnen teilen sich eine unbequem aussehende Plastikbank. Die größere Dame von beiden schaut sich in regelmäßigen Abständen um. Ihr Blick wandert von rechts nach links und wieder zurück. Die Kleinere starrt durchgehend auf ihre Füße.

Die ihnen gegenüberstehenden Stühle besetzen ebenfalls zwei Rentnerinnen. Die Frau im geblümten Rock guckt in die Ferne. Geistesabwesend beschäftigt sie ihre Finger mit dem Kneten eines Taschentuchs. Die Dame neben ihr trägt einen grauen Walkrock, der ihr sichtlich Unbehagen bereitet. Im Abstand von Sekunden zupft und zieht sie an seinem Saum.

Die Riege vervollständig ein alter Mann, der mit dem Rücken zu mir sitzt. Er trägt einen schwarzen Pullunder über einem blauen Hemd. Allein der Gedanke, bei den Temperaturen diese Kleidung tragen zu müssen, treibt mir Schweiß auf die Stirn.

Ich beobachte die Fünf seit zehn Minuten. Es finden keine nennenswerten Positionswechsel statt. Die Gruppe verweilt dort, wie Reisende an einer Bushaltestelle. Sie würdigen sich keines Blickes. Jeder vertieft in seine Gedankenwelt. Ich frage mich, ob sich diese Menschen fremd sind oder sie sich jeden Tag unter dem Vordach versammeln, um gemeinsam zu warten. Aber worauf?

Was der Tag noch bringt?

Was ihr rechtliches Leben für sie bereithält?

Auf das Ende?

Sieht so der Herbst unseres Daseins aus?

Die Alten erwecken nicht den Eindruck von Zufriedenheit.
Fragen sie sich, ob ihre Existenz einen bestimmten Zweck erfüllt?
Bereuen sie Entscheidungen, die sie vor Jahren trafen? Können sie sich an jeden ihrer eingeschlagenen Wege erinnern?
Wollen sie das überhaupt?

Mein Blick fällt beiläufig auf die Uhr. Noch fünf Minuten bis zu meinem Termin. Wird er mich vorantreiben? Treffe ich die richtige Person? Fälle ich eine Entscheidung, die mein Leben verändert oder nehme ich in fünfzig Jahren den Platz einer meiner Beobachtungsobjekte ein?

Der innere Autor

Du leistest nicht genug!
Du musst mehr an dir arbeiten!
Du gibst nicht alles!
Deine Arbeit ist nichts wert!
Du hast zu wenig Zeit!
Du bist nichts wert!

Eine leise Stimme in meinem Inneren gibt diese fiesen Wortsalven von sich. Nicht permanent, aber kontinuierlich und sie taucht in den verschiedensten Situationen auf, wenn ich sie am wenigsten erwarte. BÄHM – schlägt sie zu und haut mir einen dieser Sätze um die Ohren. Beispiele gefällig?

Ich sitze seit Tagen an der Überarbeitung meines Romans. Mein neues Projekt bleibt dabei auf der Strecke.
Du leistest nicht genug! 

Jedes Beisammensein mit Familie oder Freunden, rechne ich in Zeit um, die ich nicht korrigiert oder geschrieben habe. Ich bin in Gedanken bei meinen Geschichten, beobachte die Menschen um mich und sauge ihre Verhaltungsweise für neue Charaktere auf, vernachlässige die Bedürfnisse der anderen, weil ich mich schlecht auf ihre Gespräche konzentrieren kann.
Du musst mehr an dir arbeiten!

Seit Tagen will ich einen neuen Blogbeitrag verfassen, doch die Ideen bleiben aus. Dafür komme ich mit meiner Überarbeitung voran. Ich könnte stolz auf mich sein, dennoch ….
Du gibst nicht alles! 

Bei der Blutabnahme erkundigt sich die Arzthelferin nach meiner Tätigkeit, um mich von der Nadel abzulenken. Die Frage weckt gemischte Gefühle in mir. Soll ich die Wahrheit sagen oder meinen alten Beruf nennen?
Ich spreche es laut aus: »Ich schreibe.«
Typische Reaktion: »Davon kann man leben?«
»Noch nicht, doch ich arbeite daran.«
Antwort: »Schön, wenn man seinen Hobbys widmen kann, ohne dabei aufs Geld achten zu müssen.«
Deine Arbeit ist nichts wert!

Eine Freundin, die ich lange nicht getroffen habe, ruft an und lädt mich für ein Wochenende zu sich ein. Lust hätte ich, aber die Überarbeitung steckt in einer heißen Phase. Ich will endlich fertig werden und entscheide mich gegen die Einladung meiner Freundin.
Du hast zu wenig Zeit! 

Ich sitze im Sessel und schreibe an diesem Artikel. Meine Augen fallen vor Müdigkeit zu. Mein Mann liegt seit Stunden im Bett. Wofür das alles? Wie machen das die anderen Autoren? Bisher kann ich wenig vorweisen. Meine Arbeit wirft kaum Geld ab. Erfolge? Keine Öffentlichen. Ich lebe vom Ersparten.
Du bist nichts wert!

Ich lasse Papier und Stift augenblicklich fallen und lege mich schlafen. Am nächsten Morgen stehe ich mit guter Laune und der Gewissheit auf, dass ich heute erneut meiner Leidenschaft frönen darf. Ich hebe Bleistift und Block vom Wohnzimmerboden und beende diesen Text. Ein zartes Stimmchen flüstert:
Du handelst richtig, auch wenn es bedeutet Opfer zu bringen!