A wie Abzählreim

 

 

 

 

bzählreime kamen und kommen hoffentlich immer noch zum Einsatz, um auszulosen, wer bei Spielen beginnen darf. Hier eine kleine Auswahl meiner Lieblinge:

 

 

 

Eine kleine Mickymaus
zog sich mal die Hosen aus,
zog sie wieder an,
und du bist dran!

***

Ene, mene, miste
Was rappelt in der Kiste
Ene, mene, meck
Und Du bist weg.

Weg bist du noch lange, lange nicht
Sag mir erst wie alt du bist

(Antwort z. B. „7“)
Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben

Sieben ist keine schöne Zahl
Sag mir erst dein‘ Liebgemahl

(Antwort z. B. „Michael“)
Mi-cha-el

***

Eine kleine Dickmadam

zog sich eine Hose an.

Als die Hose krachte,

Dickmadam laut lachte,

zog sie wieder aus und du bist raus.

Z wie Zugehfrau

 

 

 

 

ugehfrau ist ein Begriff, der heutzutage nur noch wenig verwendet wird. Er stammt aus der Zeit vor der technischen Revolution, als vornehme Haushalte für zahlreiche Tätigkeiten Hauspersonal beschäftigten (Wäscherinnen, Putzfrauen, Kutscher, Gärtner), um den Teil des Personals zu bezeichnen, der anders als etwa die Dienstboten nicht mit im Haushalt des Arbeitgebers lebte, also »zum Dienst ging«. Dadurch wichen häufig auch die Uniformvorschriften der Zugehfrauen (und Dienstmänner) von denen der Dienstboten ab. Die Zugehfrau wird heute eher regional verwendet und ist vor allem im bayrischen Sprachgebrauch anzutreffen.

 

 

Y wie Yachtie

achtie ist ein abfälliger Ausdruck. Er bezeichnet einen überheblichen oder unerfahrenen Yachteigner. Damit ist wohl alles erklärt.

 

X wie Xylograph

ylographen sind fast ausgestorben. Eine andere Berufsbezeichnung für den Xylographen ist der Formschneider/Holzschneider. Er wurde mit der Herstellung von Druckformen für die Stoffdruckerei, für Spielkarten, Holzschnitte oder auch für Papiertapeten betraut. In der Zeit, als man Fotos noch nicht direkt drucken konnte, fand er auch hier sein Aufgabengebiet und erstellte Abbildungen für Bücher oder Kataloge.

Die Zeichnungen wurden von dem geschickten Fachmann mit Hilfe von Messern, Rundeisen und Stechbeiteln auf die Holzplatten übertragen und so ausgeschnitten, dass die nicht zu druckenden Stellen aus der Holzplatte entfernt wurden. Während der Arbeit ruhte das Werkstück meistens auf einem mit Sand gefüllten Polster. Ein echter Handwerkerberuf.

W wie Wundertüte

undertüten existieren bereits seit dem Zweiten Weltkrieg und so manches Kind hat dafür das komplette Taschengeld auf den Kopf gehauen. Oft war man enttäuscht, aber mindestens genau so häufig überrascht und glücklich über den vorgefundenen Inhalt.

Eine Wundertüte konnte man früher in einem Kiosk oder einem Gemischtwarenladen kaufen. Sie war meist rechteckig, hatte die Größe eines DIN A4-Umschlags und war wie dieser verklebt. Der Inhalt war von außen nicht zu erkennen. Schlaue Kinder versuchten zu ertasten, was sich in den einzelnen Tüten verbarg.

Zu meiner Zeit (in den 80er-Jahren) kostete sie 50 Pfennig und die Spezialtüten 1 Mark. Zu Einführung gab es sie wohl bereits für 10 oder die größere Version für 20 Pfennig zu kaufen. Der Inhalt hat sich über die Jahre kaum verändert. Meist fand man eine kleine Süßigkeit vor, Klebebildchen, Autos und Spielzeugfiguren.

Heute gibt es extra Wundertüten eingeteilt für Jungen oder Mädchen. Damals sogar für Herren und Damen. Egal für welche man sich entschied, sie hatten eins gemeinsam: Sie weckten immer wieder den Drang nach einer weiteren Überraschung.

 

 

 

V wie Ve­lo­zi­ped

 

elozipede waren die Vorfahren von unseren heutigen Fahrrädern. Nur sahen diese eindrucksvoller aus. Typisch war das im Vergleich zum Hinterrad größere Vorderrad. Das Veloziped war der Wegbereiter für das damalige Hochrad. Der Begriff Veloziped kommt aus dem Französischen und bedeutet übersetzt Schnellfuß. Die Velozipede verkauften sich gut, nachdem Pierre und Ernest Michaux ihre »Tretkurbelräder« 1867 auf der Weltausstellung in Paris vorstellten, obwohl sie sehr teuer und nur für wohlhabenden Menschen erschwinglich waren.

 

U wie Urschen

rschen gehört wieder zu den Begriffen, die ich erst bei meiner Recherche für diese Rubrik kennenlernen durfte. »Ihr könnt doch nicht so urschen!« ist ein Ausruf, den man wohl eher im ostmittleren Deutschland zu hören bekam und bedeutet vergeuden oder verschwenden. »Keine Zeit urschen« wird man jetzt öfter von mir hören. Ich habe gefallen an dem Wort gefunden.

T wie Trümmerfrauen

 

 

rümmerfrauen sind das beste Beispiel dafür, dass man Frauen nicht als schwächeres Geschlecht bezeichnen sollte. Dies bewiesen schon damals die Frauen im Mai 1945 als der Zweite Weltkrieg endete. Stahlträger, Mauerreste und Balken, alle »Trümmer« trugen die tapferen überlebenden Frauen aus den übrig gebliebenen Ruinen und hievte den Schutt Eimer für Eimer von Hand zu Hand aus dem Weg. Der Begriff »Trümmerfrauen« ist geschichtlich wichtig und darf nicht verloren gehen.

 

S wie Springinsfeld

 

 

 

 

 

pringinsfeld gehört zu den Worten, die ich noch nie aus dem Mund eines Menschen gehört habe. Selbst meine Großeltern kannten diesen Begriff nicht. Dabei beschreibt er einen wunderbar leichten, gar einen unbekümmerten Zustand. Seit Ende des 16. Jahrhunderts benutzte man ihn für fröhlich umherhüpfende Kinder. Dieses Gefühl von Freiheit, Leichtfüßigkeit und Übermut, den ein Kind beim Durchspringen eines Feldes vermittelt, führte sogar zu einem Festival – dem Springinsfeld Festival in Köln. Dort feiert man ausgelassen den Mut zum Übermut. Ein schöneres Wort kann ich mir in der heutigen Zeit gar nicht vorstellen!